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Virtuellen Instrumenten: künstlicher Bass Besuch von künstlichen Musikern im Homerecording-Studio
Virtuelle Musiker im Homerecording-Studio einsetzen? Da zuckt man doch gleich zusammen und denkt an irgendwelche sterilen Musikmaschinen. Und jeder geht davon aus, dass Einspielungen echter Live-Musiker durch nichts zu ersetzen sind. Problem: Nicht jeder Computer-Musikant kann sich die leisten. Und sind die künstlichen Gitarristen und Basser wirklich so schlecht? Grund genug, mal zu testen, wie gut sie ihr Handwerk verstehen. Wir haben drei von ihnen unter die Lupe genommen. Alle drei – ein Bassist, ein Gitarrist und ein Drummer – sind in einem Paket namens Studio Case II von Steinberg für ca. 220 Euro zu bekommen. Als „Zugabe“ gibt’s noch weitere Musiksoftware – doch dazu später. Erst einmal eine Klarstellung: Wer meint, virtuelle Bassisten und Gitarristen könnten nur ein paar Samples abspielen, irrt. Sie können weit mehr. Denn die Softwareentwickler haben versucht, virtuellen Musikern kunstvolle und professionelle Spielweisen beizubringen. Ist das gelungen? Nehmen wir eine konkrete Situation: Man hat für seinen Song ein MIDI-Arrangement erstellt, das durch die Live-Einspielung eines Instruments grooviger und lebendiger werden soll. Was ist zu tun? Fangen wir an mit dem virtuellen Bassisten: Der MIDI-Künstler geht auf einen Track seines Cubase-Arrangements und spielt auf dem Keyboard eine einzige Harmonie, etwa einen Takt lang. Das reicht schon: Der Virtual Bassist lässt sich eine kunstvolle Basslinie einfallen und folgt dabei genau dem Tempo des Songs. Fehlerfrei umspielt er die Noten der jeweiligen Harmonie, phrasiert groovy, baut Synkopen ein und verblüfft mit Fills, Endings sowie kunstvollen Oktav- und Quintensprüngen. Wer’s nicht glaubt, sollte sich mal ein Klangbeispiel anhören (siehe die Links unten). Das Timing des elektronischen Bassers ist zu hundert Prozent korrekt – so genau spielt eigentlich kein echter Bassist. Deshalb haben die Steinberg-Programmierer eine human touch-Funktion mit eingebaut. Per Variance-Drehregler kann man den „Mann am Bass“ anweisen, das Timing etwas ungenauer und damit realistischer zu machen.
Die Befürchtung, der künstliche Musiker spiele zwar exakt, aber langweilig, erweist sich als unbegründet. Vor allem bei uptempo-Songs fetzt der der künstliche Basser so los, dass es eine Freude ist, ihm zuzuhören. Er reagiert nicht nur auf einfache Dur-/Moll-Akkorde, sondern erkennt auch kompliziertere Harmonien wie sus4, maj7 und m7-5. Eine Reihe nützlicher Regler dient dazu, Sound und Spielweise an das Arrangement und den Geschmack des Benutzers anzupassen. So lässt sich z.B. der Klang härter oder weicher machen und eine Spielweise mit oder ohne Plektron auswählen
BU: Beim virtuellen Bassisten lässt sich eine Menge einstellen. Man kann sogar wählen zwischen einem 4-String-Bass und einem 5-String-Bass. Um den elektronischen Bassisten vielseitig einsetzbar zu machen, haben ihm die Entwickler fünf Styles mitgegeben: Heavy 8th, Brit Pop, Bass Grooves, Blues 12 – 8 und Groovy Pop. Sie klingen durchweg recht interessant Dennoch kann es passieren, dass keiner so recht zu einem Song passt. Was tun in solch einem Fall? Man macht sich die Tatsache zunutze, dass der Virtual Bassist nicht nur mit Harmonien zurechtkommt, sondern auch einzeln eingespielte Töne kunstvoll ausschmückt. So gelingt die Anpassung an Song und Arrangement. Das einzige, was ich wirklich vermisst habe, waren ganz bestimmte Bass-Sounds, die ich von einer Sampling-CD kannte (Ibanez-Bass, Fender Jazz-Bass u.a.) – da musste mein virtueller Basser passen... Virtueller GitarristDer künstliche Saitenspieler liefert zweierlei: gut klingende E-Gitarren-Samples und groovige Spielweisen. Ähnlich wie beim virtuellen Bassisten muss man dem Guitarrero nur sagen, welche Harmonie er spielen soll. Man gibt z.B. auf der Zählzeit 1 einen a-moll-Akkord ein und kann dann eine von vier Stilistiken auswählen: Funk basic, Funk Octaves, Wah Single Note, Wah Complex, Pop - Brit 2 oder Rock – Classic. Wie klingen die Styles in der Praxis? In der Einstellung „Funk Basic“ schrammelt der virtuelle Gitarrist – ein bisschen langweilig – durchgängig Akkorde. Wobei immerhin eine berühmte Gitarre, die Fender Stratocaster, eingesetzt wird. Spannender wird’s beim Stil „Funk Octaves“: Es erklingen funky gespielte Oktav-Riffs, die die Füße des Zuhörers mitwippen lassen und MIDI-Arrangements richtig auffrischen. Empfehlenswert nicht nur für Uptempo-Songs. Auch Balladen, etwa mit Tempo 75 BPM, bei denen die Drum den braven „Am-ster-dam“-Beat schlägt, werden durch die funkigen Oktaven im Hintergrund plötzlich interessanter. Eingesetzt wird dabei ebenfalls die Fender Strat.
BU: Man spielt nur eine Harmonie (unten) – und der künstliche Spieler macht daraus eine rhythmische Struktur. Im roten Kreis zu sehen: eine Synkope.
Besonders empfehlenswert bei rockigen Songs ist die Stilistik „Rock – Classic“. Die Rhythmus-Muster – Achtelnoten-Bass plus groovy gespielte Akkorde – machen jedes Arrangement fetziger. Zum Einsatz kommt dabei eine Gibson ES 335 – eine Halbresonanz-Gitarre, die leicht übersteuerte, fette Sounds liefert. Weniger interessant: die diversen Wah-Styles, die sehr nach dem 70er-Jahre Phili-Sound klingen. Was lässt sich an der elektronischen Gitarre alles einstellen? Eine Menge! Am meisten bringt das Doppeln von Gitarren-Spuren (Doubling). Klickt man auf einen Schalter an der abgebildeten Gitarre (siehe Foto), erklingt der Sound von zwei Gitarristen, jeweils links und rechts im Stereo-Panoroma. Obwohl sie dasselbe spielen, entsteht ein räumlicher Stereo-Eindruck – clever gemacht von den Steinberg-Entwicklern.
BU: Die Möglichkeit verschiedene Rhythmusstrukturen zu wählen (Parts genannt, siehe links), macht den virtuellen Gitarristen vielseitig einsetzbar. Zudem kann man: bei jedem Stil man aus vier Rhythmus-Pattern (genannt Parts) auswählen. Mal wird der Abwärtsschlag des Akkords z.B. auf der Zählzeit 2 abgestoppt, mal auf der 3, und schließlich steht noch ein Slide-Effekt zur Verfügung. Die Einstellungen ermöglichen eine gute Anpassung an den Groove von Drum und Bass Über ein Sustain-Pedal lässt sich der virtuelle Gitarrist ansteuern, um bestimmte Funktionen auszulösen, wie z.B. Parts auswählen, Stop des Spiels oder das Erzeugen gitarrentypischer Bundgeräusche. Wer kein Sustain-Pedal hat, kann den gleichen Effekt durch Drücken bestimmter MIDI-Keyboardtasten in der Oktave C1 erreichen. Gitarren-Fills erzeugt man durch ein kurzes Aufdrehen des Modulationsrads am Keyboards. Virtual Guitarrist kommt zwar nicht mit allen Akkord-Typen klar, aber mit den wichtigsten. Beispiel C-Dur: C, Cmaj7, C7, Cm, Csus4, Csus2. Einfache Dur-Akkorde kann man übrigens auch mit einem Finger spielen, bei Moll-Akkorden drückt man zusätzlich noch die links daneben liegende schwarze Taste. Damit aber immer noch nicht genug: Bei der Einstellung einer hohen Anschlagstärke (Velocity) wird der Akkord synkopiert, d.h. vorgezogen und der nächste Schlag ausgelassen. Auf diese Weise lassen sich groovende Synkopen erzeugen, die richtig Spaß machen. Fazit: Wer beim Arrangieren von Demo-Songs ohne großen Aufwand Live-Instrumente einsetzen will, für den sind die virtuellen Instrumente von großem Wert und absolut zu empfehlen. Jochen Schaumann Febr.07 Soundbeispiele findet Ihr auf dieser Seite. Fotos: Steinberg |
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(Der Bericht über virtuelle Instrumente wird in Kürze fortgesetzt mit einem Test des Virtueller Drummers "Groove Agent" von Steinberg.) |
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